Luftdicht und wärmebrückenfrei – verbindlich mit Nachweis

Kein Kompromiss bei Elektroinstallationen

Text: Stefan Born | Foto (Header): © Verbund Tourismus GmbH

Für die Planung und Errichtung von elektrischen Anlagen sind zahlreiche Verordnungen, Richtlinien und Normen zu berücksichtigen. Dazu gehören nicht nur die Listen der Technischen Baubestimmungen der Bundesländer, sondern auch weitere Rechtsverordnungen, VDE-Bestimmungen, DIN-Normen und Technische Anschlussregeln für die Niederspannung. Die Notwendigkeit der luftdichten und wärmebrückenfreien Elektroinstallation geht auf die EnEV, die sich auf das EnEG stützt, zurück. Nach dieser Verordnung sind zu errichtende Gebäude so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig nach den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet werden muss. Dies ist ein Qualitätsumstand, der im Rahmen der Planung und Ausführung erreicht werden muss.

Auszug aus:

EnEV Baupraxis
Fachmagazin für energieeffiziente Neu- und Bestandsbauten
Ausgabe Juli / August 2019
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Die EnEV stellt energetische Anforderungen an die Dichtheit des gesamten Gebäudes. Die tolerierte, verbleibende Luftdurchlässigkeit bei einer Druckdifferenz von 50 Pa (n50-Wert) darf bei Gebäuden ohne raumlufttechnische Anlagen das Dreifache des Gebäudevolumens pro Stunde betragen, für Gebäude mit raumlufttechnischen Anlagen gilt das Eineinhalbfache des Gebäudevolumens. Zur Erfüllung der Grenzwerte der EnEV werden daher für Neubauten und Sanierungen (Bauen im Bestand) besondere Anforderungen an die Planung und Errichtung elektrischer Anlagen gestellt, die eine dauerhafte Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit der Gebäudehülle sicherstellten. Bezüglich der Elektroinstallation in Wohngebäuden und solchen mit vergleichbarer Nutzung sind die Anforderungen in der Normungsgruppe DIN 18015 definiert. Sie umfasst die Planungsgrundlagen (Teil 1), Art und Umfang der Mindestausstattung (Teil 2), Leitungsführung und Anordnung (Teil 3), die Gebäudesystemtechnik (Teil 4) und die Planung und Ausführung der luftdichten und wärmebrückenfreien Elektroinstallation (Teil 5).

Dicht ist Pflicht

Der Teil 5 der DIN 18015 dient als Planungs- und Ausführungsgrundlage, welche Durchdringungen und Anschlüsse im Bereich der luftdichten und winddichten Ebene für Wohngebäude sowie Gebäude mit teilgewerblicher Nutzung regelt. Er enthält Ausführungsregeln, die sicherstellen, wie bei fachgerechter Elektroinstallation die Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit erhalten bleibt und somit ungewünschter Wärmeverlust sowie Feuchtetransport mit den Folgen von Bauschäden vermieden werden. Berücksichtigt werden dabei die Besonderheiten bei der Elektroinstallation in der Leichtbauweise, der Massivbauweise, als auch in oder an der Dämmung innenliegender Raumbegrenzungsflächen sowie an oder in der äußeren Gebäudehülle.

Die genannten Planungsnormen haben wie alle DIN-Normen zunächst einmal empfehlenden Charakter. Verbindlich werden sie, wenn deren Anwendung Bestandteil von Verträgen (z. B. Bauverträgen oder Werkverträgen) werden oder der Gesetzgeber sie vorschreibt. Normen wie die DIN 18015-5 haben im Sinne des Kauf- oder Werkvertrags eine besondere Bedeutung, denn im Zweifel lässt sich hier ableiten, ob ein Mangel vorliegt. Ratsam ist es daher, auf Bauprodukte in der Planung sowie in der Ausführung und Kontrolle zu setzen, die nachweislich den Anforderungen der Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit gerecht werden.

 

Planungsgrundsätze

Bereits bei der fachgerechten Bauplanung und Ausschreibung eines Bauvorhabens oder von Bauteilen, die zu diesen zusammengefügt werden (z. B. die der Fertighausbauweise), sollte die Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit ebenso wie die bauphysikalischen Anforderungen an den Wärmeschutz, Schallschutz, Brandschutz und Schlagregenschutz Berücksichtigung finden. Dazu müssen Lage, Ort und Verlauf der luftdichten und winddichten Schicht bekannt sein. Das ist die Voraussetzung für die richtige Materialauswahl und die fachgerechte Ausführung der Elektroinstallation. So können für den jeweiligen Anwendungsfall geeignete Elektroinstallationsdosen, -gehäuse und -systeme geplant und ausgeschrieben werden. Empfehlenswert ist ein Luftdichtheitskonzept. Der Fachverband der Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB) liefert in seinem Musterluftdichtheitskonzept eine detaillierte Beschreibung der Planung, Ausschreibung und Überprüfung der luftdichten und wärmebrückenfreien Bauausführung.

Hilfreich sind zudem Ausschreibungsplattformen (z. B. www.ausschreiben.de), auf denen gezielt nach Art der Raumbegrenzung bzw. Durchdringungsfläche (z. B. Hohlwand, Unterputz) und zusätzlichen bauphysikalischen Funktionen (z. B. Luftdichtheit, Schallschutz, Brandschutz) gesucht werden kann, um geeignete Produkte für die luftdichte bzw. wärmebrückenfreie Elektroinstallation auszuschreiben. Zudem stehen hier Vorbemerkungen für die fachgerechte luftdichte und wärmebrückenfreie Ausführung zur Verfügung. Für die Bauwerksdatenmodellierung (BIM) luftdichter und wärmebrückenfreier Elektroinstallationsprodukte bieten Plattformen, wie z. B. b2b.partcommunity.com, Produktdaten namhafter Hersteller zur Übernahme in gängige Planungsprogramme an.

 

Fachgerechte Ausführung in der Massivbauweise

Bei Wänden aus massivem Mauerwerk bildet der innen liegende Putz die luftdichte Ebene. Sie umfasst lückenlos die Wandflächen zu den unbeheizten Gebäudeteilen, zu Außenwänden als auch zu angrenzenden Bauteilen. Fugenlose Betonbauteile nach DIN 1045-2 gelten als luftdicht. In der Massivbauweise werden häufig Hohlkammersteine oder Planvollsteine eingesetzt und im Nut- und Federprinzip ohne Stoßfugen vermauert. Hohlkammern oder Stoßfugen, die von der Elektroinstallation angeschnitten werden, stellen eine Schwachstelle dar, da diese eine Leckage zum beheizten Innenraum bilden können.

Betrachten wir nun die herkömmliche Installation einer Unterputzdose hinsichtlich ihrer Eignung auf die Luftdichtheit. Es ist durchaus möglich, mit hohem handwerklichen Geschick und Sorgfalt diese vollflächig und allumfassend in einem Gipsbett in einer Weise zu fixieren, die Glauben schenken mag, luftdicht ausgeführt zu sein. Inwiefern sich dieser Glaube auch nach Erstellung der Installationsöffnung, der Fixierung und dem Fließen des Gipses während des Eindrückens in die Installationsöffnung bewahrheitet, wird erst nach dem Verputzen offensichtlich. Gips dient lediglich zum Fixieren der Unterputzdose – die luftdichte Schicht bildet der raumseitige Innenputz. Inwiefern alle Ausbrechöffnungen nicht luftdichter Unterputzdosen auch nach dem Fixieren und Verput-zen noch vom Gipsbett umschlossen sind und ob es nach dem Fixieren bzw. nachträglichen mechanischen Beanspruchungen des Gipsbetts infolge von Schlitz- oder Stemmarbeiten zu Rissen oder Brüchen gekommen ist, offenbart sich erst später. Dann jedoch ist eine Nachbesserung mit immensem Aufwand verbunden. Das vollflächige Einbetten nicht luftdichter Elektroinstallationsdosen in Gips oder Schnellzement stellt im Allgemeinen keine dauerhaft luftdichte Lösung dar, ebenso wenig wie das Einschäumen von Elektroinstallationsdosen.

In beiden Fällen ist das umfängliche, lückenlose Umschließen nicht gewährleistet. Beim Einschäumen verbleiben zudem Zweifel in Bezug auf die dauerhaft sichere Befestigung, wie sie in der DIN EN 60670 und der DIN 18015-5 verankert ist. Zudem können die brennbaren PU-Schäume (zumeist Klasse E nach DIN EN 13501-1) in nicht dicht ausgeführten Installationsdosen eine unnötige Brandbeschleunigung im elektrotechnischen Fehlerfall zur Folge haben und sind im Verdacht, aufgrund der freigesetzten Isocyanate, Gesundheitsschäden hervorzurufen. Der schleunige Verarbeiter setzt sich und seinen Auftraggeber nur unnötigen Gefahren aus. Gipslose Fixierhilfen (z. B. „Klemmfix“) für die Unterputzinstallation stehen dem Handwerk seit vielen Jahren zur Verfügung und übernehmen die sichere Fixierung ohne bauseitig unsichere und aufwändige Maßnahmen. Luftdichte Elektroinstallationsdosen bieten indes die produktseitige Sicherheit in Bezug auf eine fachgerechte Ausführung.

Durchstoßmembranen an luftdichten Unterputzdosen sind so ausgelegt, dass sich diese luftdicht um das eingeführte Rohr oder die Leitung fügen und die Luftdichtheit dauerhaft sicherstellen. Das muss auch gewährleistet sein, wenn mehrere Leitungen aus einer Richtung in die Unterputzdose eingeführt werden. Die Membranen sind im Bereich der Einführung verstärkt und so segmentiert, dass ein Weiterreißen der Öffnung aufgrund von Zugbeanspruchungen verhindert wird. Auch bei der Feininstallation – z. B. dem Anschluss einer Steckdose – erfährt eine Membran stets eine Zugbeanspruchung und es bleibt nur so gewährleistet, dass diese dann immer noch luftdicht ausgeführt ist. Durchführungen nach außen, so bspw. die Leitung, die für die Gartenbeleuchtung sorgt, sind ebenfalls luftdicht auszuführen. Entsprechende Abdichtungen, z. B. in Form von Luftdichtungsmanschetten, sind hier gängige Praxis.

 

Fachgerechte Ausführung in der Leichtbauweise

In der Leichtbauweise wird die luftdichte Schicht aus Luftdichtheitsbahnen oder geeigneten Plattenwerkstoffen (z. B. OSB-Platten) gebildet. Wie bei der Massivbauweise ist an dieser Stelle dafür Sorge zu tragen, dass die Luftdichtheit auch nach der Elektroinstallation und während des Betriebs dieser erhalten bleibt. Luftdichte Hohlwanddosen sind das geeignete Mittel, um die Luftdichtheit sicherzustellen, aber es gilt auch hier, wichtige Details zu beachten. Die richtige Wahl der Öffnung für Rohre und Leitungen ist auf der einen Seite aus luftdichter, auf der anderen Seite aus elektrotechnischer Sicht wichtig, denn die Leitungsrückhaltung bei der Hohlwandinstallation ist nach der Errichternorm DIN VDE 0100-520 einzuhalten, um zu vermeiden, dass im Fehlerfall spannungsführende Leiter mit brennbaren Materialien in Verbindung geraten können. Entsprechende luftdichte Leitungseinführungen bzw. universelle Rohreinführungen mit Öffnungslaschen zur werkzeuglosen Einführung und mit verstärkten Membranen vermeiden ein unabsichtliches Weiterreißen und verhindern Undichtheiten. Sie sorgen aufgrund ihrer Rückhaltung zudem dafür, dass die lückenlose Durchgängigkeit der Rohrinstallation gewahrt bleibt. Beim Einsatz von Elektroinstallationsrohren sind diese mit entsprechenden Dichtstopfen luftdicht zu verschließen. Auch alle anderen Durchführungen, z. B. die des Satellitenmasts durch die luftdichte Ebene oder die durch die luftdichte Schicht geführten Leitungen bzw. Elektroinstallationsrohre, sind luftdicht auszuführen. Dabei helfen Luftdichtungsmanschetten und für die Abdichtung von Elektroinstallationsrohren eignen sich Dichtstopfen, um Leckagen fachgerecht zu vermeiden. Wenn es um die Installation von Leuchten oder Lautsprechern in oder unterhalb der luftdichten Schicht geht, so ist nicht nur darauf zu achten, dass die Bauteilanschlüsse dicht ausgeführt werden, sondern auch, dass die von den Betriebsmitteln ausgehende Temperatur zu keinerlei Schäden der oftmals brennbaren luftdichten Schichten führen und es zu Luftdurchlässigkeiten oder schlimmeren Folgen kommt. Insbesondere von heißen Leuchtmitteln geht eine latente Brandgefahr aus, die es auszuschließen gilt. Denn auch die Temperatur eines LED-Leuchtmittels muss abgeführt werden. Das erfolgt meist rückseitig, so kann bspw. eine ohne Gehäuse installierte Deckenleuchte mit brennbaren Materialien, Fasern oder Staub im Deckenhohlraum in Berührung kommen, was dazu führt, dass sich diese zwischen den Kühlrippen des Kühlkörpers oder der Leuchtmittel niederlassen. Neben der Verkürzung der Lebensdauer kann es hierdurch zu Verbrennungen und Verfärbungen um die Leuchte kommen, der „Schwarzstaubbildung“ (Fogging-Effekt). Weitaus verheerender sind die Folgen, die aus der latenten Brandgefahr einer ungeschützten Installation resultieren können.

Luftdichte Gehäuse, die in oder unterhalb der luftdichten Schicht installiert werden, vermeiden Luftundichtheiten, Fogging-Effekte sowie die latente Brandgefahr. Diesen Schutz können solche Gehäuse auch im Außenbereich (z. B. im Bereich des Ortgangs) bieten, auch wenn nicht die Luftdichtheit im Vordergrund steht, weil keine Verbindung zum Innenbereich besteht. Sie schützen an dieser Stelle vor den Nestern eifriger Bienen bzw. Wespen, die möglicherweise durch andere Schlupflöcher in den Ortgang gelangen, um dort ihre Nester zu bauen, welche extrem leicht entflammbar sind. Solche Gehäuse vermeiden den Kontakt mit den heißen Lichtquellen der Beleuchtung und schützen auch hier vor der latenten Brandgefahr. Wenn aufgrund von Platzmangel nicht genug Raum für die Elektroinstallation zur Verfügung steht, muss diese in die Dämmebene integriert werden. Auch dafür sind entsprechende Lösungen verfügbar, die den sicheren und luftdichten Betrieb in der Dämmebene gewährleisten.

 

Elektroinstallation in oder an der Außendämmung

Auch die Elektroinstallation in bzw. an der Dämmung, ob im inneren oder im äußeren der Gebäudehülle, hat für den Planer und das Elektrohandwerk in der DIN 18015-5 klare technische Planungs- und Ausführungsregeln. So bspw. die zuvor erwähnte Durchführung von Leitungen, aber auch die sichere, mechanische Befestigung von Steckdosen, der Sprechanlage, Anbauoder Einbauleuchten sowie vielen weiteren Elektroinstallationsgeräten in oder an der gedämmten Gebäudehülle. Hier gilt es neben der Luftdichtheit, der Dämmwirkung und der mechanisch sicheren Befestigung auch die Wärmebrückenfreiheit zu erhalten sowie latente Brandgefahren auszuschließen. Entsprechende Geräteträger helfen, diese bauphysikalischen Eigenschaften zu bewahren und gleichzeitig die mechanisch sichere Gerätebefestigung sicherzustellen. Fehler resultieren häufig aus der ungenügenden mechanischen Befestigung oder aus Wärmebrücken sowie der mangelnden Luftdichtheit. Das Einschäumen von Elektroinstallationsdosen oder Geräteträgern mit Polyurethanschaum ist auch hier abzulehnen. Hierdurch ist weder die dauerhaft mechanische Befestigung nach DIN 18015-5 noch die erforderliche Auszugskraft nach DIN EN 60670 gewährleistet. An dieser Stelle sollten Geräteträger eingesetzt werden, die die sichere mechanische Befestigung bewahren, luftdicht ausgeführt sind und gleichzeitig Wärmebrücken vermeiden.

Sowohl für die sichere mechanische Befestigung am Untergrund der zu dämmenden Decke oder Wand, als auch für die nachträgliche mechanische Befestigung im Dämmmaterial, stehen entsprechende Elektroinstallationsprodukte zur Verfügung, die den geforderten Auszugskräften, der Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit sowie den Anforderungen an die dauerhaft sichere Befestigung auch im praxisgerechten Alltagsgebrauch entsprechen. Je nach Dämmmaterial stehen für die Wandinstallation in Plattenwerkstoffen auch Systeme für den nachträglichen Einbau, z. B. bei expandierten Polystyrol-Dämmplatten, Schaumglas-Platten, Holz- oder Steinwolldämmplatten zur Verfügung. Wenn es um die Integration von Leuchten in der Außendämmung geht, müssen zudem konkurrierende Anforderungen in Bezug auf den notwendigen Einbauraum, das Thermomanagement der Leuchten und die der Dämmwirkung in Einklang gebracht werden. Das ist u. a. der Fall, wenn in gedämmten Außendecken (Erkervorsprünge, zurückspringende Eingangsbereiche, Außendecken überbauter Terrassen …) Einbauleuchten integriert werden sollen. Hier müssen die Einbaugehäuse das umgebene Dämmmaterial vor den hohen Betriebstemperaturen der Leuchten sowie diese selbst vor Verschmutzung (z. B. bei Holzfaserdämmstoffen oder Steinwolldämmstoffen) schützen. Auch für solche Anwendungen kann das Elektrohandwerk auf Produkte zurückgreifen, die für den thermisch geschützten Installationsraum sorgen und gleichzeitig die Dämmwirkung erhalten, ohne dass es zu Wärmebrücken mit den bekannten Folgen kommt.

 

Fachgerechte Ausführung bei Innendämmung

Die Innendämmung findet vor allem dann Anwendung, wenn eine Dämmung an der äußeren Gebäudehülle nicht vorgenommen werden soll oder darf. Es sind oft ästhetische Gründe (z. B. der Erhalt der Fassade), aber auch das Baurecht oder der Denkmalschutz können Gründe sein. Oft geht die Innendämmung mit einer Erweiterung oder gar Erneuerung der Elektroinstallation einher, da betroffene Gebäudebereiche in Bezug auf die Elektroinstallation auch hier nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik (u. a. DIN 18015-1: Art- und Umfang der Mindestausstattung bzw. Ausstattungswerte nach RAL-RG 678) entsprechen. Mitunter fehlt es im Bestand an genügend Elektroinstallationsdosen bzw. Geräteträgern. Häufig werden in der Innendämmung diffusionsoffene oder kapillaraktive Dämmsysteme eingesetzt. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass Wärmebrücken und Luftdurchlässigkeiten vermieden werden und die durch die Elektroinstallation entnommene Dämmwirkung kompensiert wird. Gegenüber diffusionsdichten Dämmsystemen (z. B. Schaumglas) haben diffusionsoffene und kapillaraktive Dämmsysteme auf mineralischer (z. B. Perlite oder Calciumsilikat) oder organischer Basis (z. B. Holzfaser, Zellulose, Kork) die Eigenschaft, Feuchtigkeit aufzunehmen, zu verteilen und bei sich ändernden klimatischen Bedingungen über den Zeitverlauf wieder abzugeben. Gleichzeitig sind die Dämmstärken teils nur von 30 bis 100 mm ausgeführt, sodass es eines Eingriffs bis in das Mauerwerk bedarf, um Elektroinstallationsdosen zu befestigen und genügend Raum für die nach DIN 49073-1 genormten Geräte wie Schalter oder Steckdosen zu schaffen sowie eine unzulässige Erwärmung von Geräten und Klemmen zu verhindern. So sind die Elektroinstallationsprodukte den gleichen klimatischen Bedingungen wie denen des Innendämmungssystems im direkten Umfeld ausgesetzt und müssen in der Lage sein, diese ebenso wie das Dämmsystem selbst zu regulieren. Eine Befestigung von Installationsdosen oder Geräteträgern mittels Gips könnte fatale Folgen haben, da der Gips die Eigenschaft hat, Feuchtigkeit zu binden, ohne sie wieder freizugeben. Schimmelbildungen bzw. feuchtebedingte Bauschäden könnten sehr unangenehme Folgen einer solchen Vorgehensweise sein.

Ein weiterer typischer Fehler liegt in der Verlängerung bestehender Elektroinstallationsdosen. Das Verlängern eingesetzter Unterputzdosen im Baubestand resultiert in einer durchgehenden Öffnung, die sich bis in das Mauerwerk hineinträgt. Das kann zum Kondenswasserausfall führen. Neben den Folgen, wie z. B. der Korrosion von Klemmen und Leitungen, kann das Kondenswasser sogar Ursache eines Kurzschlusses sein. Auch das fachgerechte Verlängern bestehender Leitungen muss sichergestellt sein (Ausführung und Zugänglichkeit der Klemmstelle). Je nach Ausführung des Dämmsystems sowie der Dämmstärke ist eine weitere Nutzung der bestehenden Elektroinstallation aus zuvor genannten Gründen nicht möglich. Daher ist bei dieser Ausführung darauf zu achten, dass Elektroinstallationsmaterialien verwendet werden, die luftdicht sind und einen Konvektionsstrom verhindern, aber auch gleichzeitig die durch den Einbau entnommene Dämmwirkung wieder herstellen und eine Feuchteansammlung im Doseninnern verhindern. Die Verwendung entsprechender Elektroinstallationsprodukte ist hier dringend zu empfehlen. Bei höheren Dämmstärken als 100 mm können luftdichte Installationsdosen oder Mini-Geräteträger eingesetzt werden, die mechanisch im Dämmmaterial befestigt werden, den luftdichten Abschluss gewährleisten und Wärmebrücken sowie Feuchtetransport vermeiden (Bild 11).

 

Fazit

Zur Beurteilung der Luftdichtheit eines Gebäudes wird meist das Differenzdruckverfahren (z. B. Blower-Door-Test) angewandt. Für die Lokalisierung punktueller Schwachstellen werden Thermografieaufnahmen, Anemometer oder Rauchstifte herangezogen. Nachbesserungen führen im Falle von Leckagen oftmals zu erheblichem Aufwand und Ärger zwischen den Beteiligten.

Wenn es um die Beurteilung der Luftdichtheit von Elektroinstallationsprodukten geht, wird die DIN 4108-2 herangezogen. Luftdichte Elektroinstallationsprodukte werden dazu im bestimmungsgemäßen Zustand installiert und unter Berücksichtigung der dafür geeigneten Leitungs- oder Rohreinführung einer Differenzdruckprüfung zu angrenzenden Bauteilen unterzogen und dürfen die festgelegte Luftdurchlässigkeit für Bauteilanschlussfugen nicht überschreiten. Im Bereich der Außendämmung ist zusätzlich darauf zu achten, dass Wärmebrücken vermieden werden (z. B. Nachweis der Wärmebrückenfreiheit über eine Wärmebrückenberechnung), bei der Innendämmung ist als weiteres Kriterium die Vermeidung einer Konvektion zu beachten. Die Einhaltung dieses Kriteriums kann z. B. über hygrothermische Untersuchungen im Jahresverlauf unter Beweis gestellt werden. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, dass die Baubeteiligten sich frühzeitig mit der Planung der Elektroinstallation und Ausführung in oder an luftdichten und winddichten Schichten beschäftigen. Zudem sollten Nachweise bei Herstellern luftdichter, wärmebrückenfreier bzw. Feuchtetransport vermeidender Elektroinstallationsprodukte eingeholt werden. Entsprechende Nachweise stellen die Hersteller zur Verfügung. Mit der Einhaltung der Planungs- und Ausführungsregeln nach DIN 18015-5 liegen Grundlagen vor, die allen Baubeteiligten klare Vorgaben sowie Handlungsempfehlungen für die Luftdichtheit und Wärmebrückenfreiheit sowie zur Vermeidung von Konvektion gibt und dem Bauherren die Gewissheit der fachgerechten Ausführung bietet. Praktische Tipps finden sich auch bei der von der HEA gemeinsam mit dem Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI ) gegründeten Initiative Elektro+ unter www.elektro-plus.com. Die Normungsreihe DIN 18015 ist verfügbar beim Beuth-Verlag (z. B. auch die DIN 18015-5 „Elektrische Anlagen in Wohngebäuden – Teil 5: Luftdichte und wärmebrückenfreie Elektroinstallation).

 

Literatur

  • DIN 18015-5: Luftdichte und wärmebrückenfreie Elektroinstallation
  • HEA/ZVEI: Initiative Elektro+: Luftdichte und wärmebrückenfreie Elektroinstallation
  • DIN VDE: 0100-520 Errichten von Niederspannungsanlagen
  • DIN 60670-1: Dosen und Gehäuse für Installationsgeräte für Haushalt und ähnliche ortsfeste elektrische Installationen
  • DIN 18015-1: Art- und Umfang der Mindestausstattung bzw. Ausstattungswerte nach RAL-RG 678
  • DIN EN 13829: Wärmetechnisches Verhalten von Gebäuden – Bestimmung der Luftdurchlässigkeit von Gebäuden – Differenzdruckverfahren
  • DIN 49073-1: Gerätedosen aus Metall und Isolierstoff zum versenkten Einbau zur Aufnahme von Installationsgeräten
  • Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLIB): Leitfaden Luftdichtheitskonzept: Hinweise und Empfehlungen zur Planung, Ausschreibung, Koordinierung, Umsetzung und Überprüfung der Luftdichtheitsschicht in Wohngebäuden
  • DIN 4108-2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz
  • Bauverlag/Fachverband WDVS: Leitfaden 2.0 Innendämmung
  • Der Bauschaden 27 (Dez17/Jan18): Luftdichte und wärmebrückenfreie Umsetzung nach DIN 18015-5
Der Autor

Stefan Born, Dipl.-Wirt. Ing.

ist bei der Kaiser GmbH & Co. KG seit 2005 als Leiter des Produktmanagements verantwortlich. Zudem ist er Mitglied im DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau): Arbeitsausschuss Elektrische Anlagen in Wohngebäuden.

Kontakt unter:
E-Mail: stefan.born@kaiser-elektro.de

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